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Beförderungssichere Verladung

In diesem Artikel erfahren Sie, was eine beförderungssichere Verladung ist, wer die Verantwortung für diese trägt und wie Beteiligte an der Ladungssicherung Transportgut fachgerecht gegen Beschädigungen während der Fahrt schützen.

Tagtäglich verladen Logistikunternehmen, Lieferanten und Spediteure Waren. Damit das Transportgut die Fahrt auch sicher übersteht und nichts zu Bruch geht, ist eine fachgerechte Ladungssicherung unumgänglich. Zu dieser gehört auch eine ordnungsgemäße, beförderungssichere Verladung

Beförderungssichere Verladung – Definition und Rechtsgrundlage

Die beförderungssichere Verladung ist Teil der deutschen Straßenverkehrsordnung (StVO). § 22 der StVO besagt, dass die Ladung so gesichert werden muss, dass sie während des Transports nicht verrollt, verrutscht, umkippt oder gar vom Transportfahrzeug fällt – auch nicht bei plötzlichen Brems- oder Ausweichmanövern. 

Dabei müssen Verlader selbst für private Transporte im Anhänger oder Pkw anerkannte Regeln zur Ladungssicherung und technische Normen umsetzen.

Eine Erklärung zur beförderungssicheren Verladung liefert das HGB (Handelsgesetzbuch). Das HGB gibt Auskunft über die Unterschiede zwischen beförderungssicherer und betriebssicherer Verladung.

Laut § 412 (1) HGB trägt der Absender die Verantwortung für die beförderungssichere Verladung, sofern die Umstände es nicht anders erfordern. Beförderungssicher verstautes Transportgut ist so gesichert, dass es während der Fahrt optimal vor Beschädigungen geschützt ist und nicht verrutschen kann – auch nicht im Fall einer Notbremsung oder in anderen heiklen Verkehrssituationen.

Der Frachtführer ist – dem HGB zufolge – für die betriebssichere Verladung verantwortlich. Diese ist dann erfüllt, wenn das Transportgut die Betriebssicherheit des Fahrzeugs nicht beeinträchtigt.

In einigen seltenen Fällen ist der Fahrzeugführer auch für die beförderungssichere Verladung zuständig. Wenn der Absender nicht über das notwendige Fachwissen verfügt, muss der Frachtführer für fachgerechte Ladungssicherung sorgen – zum Beispiel bei Tankfahrzeugen.

Im Normalfall kann Ladepersonal nicht für mangelhafte Ladungssicherung verantwortlich gemacht werden. Nur in bestimmten Ausnahmesituationen trägt dieses die Verantwortung für die beförderungssichere Verladung. 

Zum Beispiel dann, wenn es die erforderlichen Qualifikationen nach VDI 2700 vorweisen kann und einen offiziellen Auftrag von der Leitung erhalten hat.

Richtlinien und Normen zur beförderungssicheren Verladung

VDI-Richtlinien

Die VDI-Richtlinien gelten als wichtiger Leitfaden für die beförderungssichere Verladung. Die Richtlinien geben Auskunft über Techniken und Methoden zur Ladungssicherung – für unterschiedliche Arten von Ladung und Beförderungsmittel. In der Richtlinie VDI 2700 finden sich auch Formeln, um Vorspannkräfte und Anzahl der notwendigen Zurrmittel exakt zu berechnen.

Das Dokument VDI 2700 Blatt 4 enthält einen Lastverteilungsplan für die Beladung von Lastkraftwagen und anderen Fahrzeugen. Damit die Verkehrsteilnehmer nicht gefährdet werden, müssen die zulässigen Achslasten beachtet werden. Außerdem darf die Mindestlenkachslast nicht unterschritten werden.

EN-Normen (Europäische DIN-Normen)

Einige EN-Normen (Europäische Normen) enthalten relevante Anhaltspunkte zur beförderungssicheren Verladung. Sie geben Mindestanforderungen für die Festigkeit von Ladungssicherungsmitteln vor und verfügen über Richtlinien für den korrekten Gebrauch von Sicherungsmitteln.

Zu den wichtigsten EN-Normen zählt die Norm EN 12195. Diese Norm befasst sich mit der Auslegung von Sicherungsverfahren zur Ladungssicherung. Die Norm EN 12195 liefert Informationen zum Zurren, Blockieren sowie zur Kombination beider Verfahren.

In diesem Dokument finden sich Sicherheitsanforderungen für die Herstellung und Verwendung von Zurrgurten. Der Norm zufolge müssen Zurrgurte so hergestellt und eingesetzt werden, dass die Ladung hohen Kräften und Belastungen standhält.

Beförderungssichere und betriebssichere Verladung: Die Unterschiede

Was die beförderungssichere Ladung umfasst – Beispiele

Bei der beförderungssicheren Verladung müssen Verlader eine Reihe an Anforderungen beachten und entsprechende Schritte befolgen, damit die Ware während des Transports optimal vor Beschädigungen und anderen Gefahren geschützt ist.

Beim Absetzen der Fracht auf der Ladefläche und beim Verladen muss vieles berücksichtigt werden – wie die Planung des Wegs vom Lager zum Transportfahrzeug. Zur beförderungssicheren Verladung gehört es auch, das Transportgut mit geeigneten Mitteln zu sichern – gegen Umkippen, Wegrollen und andere Bewegungen. 

Praktische Hilfsmittel bei der Ladungssicherung sind unter anderem Spanngurte, Keile oder Antirutschmatten. Bei der Ladungssicherung sollten Zurrmittel und Zurrpunkte nicht überbeansprucht, sondern nur entsprechend ihrer maximal zulässigen Belastung eingesetzt werden.

Die Ladung muss so verstaut werden, dass sie nicht über die Ladefläche herausragt oder die Lenkfähigkeit des Fahrzeugs beeinträchtigt. Dabei spielt die Lastverteilung eine entscheidende Rolle: Eine gleichmäßig über die Transportfläche verteilte Ladung sorgt für höhere Stabilität. Um den Schwerpunkt zu senken, sollte besonders schwere Fracht unten platziert werden.

Zusätzlich erleichtert die Bildung von Ladeeinheiten den Transport: Durch größere  Ladeeinheiten aus mehreren Ladegütern sinkt das Risiko von Schäden während der Fahrt. 

Bei der Ladungssicherung kommt es auch auf die Wahl der passenden Verpackungsmaterialien und Methoden an: Je nach Situation sollte die Ladung entweder direkt verpackt oder in zusätzlichen Behältern transportiert werden. 

Wenn das Ladegut selbst nicht sicher genug verpackt ist, sollten Verlader auf Transportboxen für mehrere kleinere Ladegüter zurückgreifen. Keinesfalls darf die Fracht andere Ladegüter in ihrer Transportsicherheit einschränken. Auch darf sie durch die Verpackung das Transportgut nicht in ihrer Qualität beeinträchtigen. 

Absender müssen darüber hinaus auf Transportbedingungen wie Temperatur und Erschütterungen achten, damit für beförderungssichere Verladung gesorgt ist. Die geltenden Sicherheitsvorkehrungen müssen ebenfalls erfüllt sein.

Wichtig ist, dass die Ladung unbeschädigt beim Empfänger ankommt. Bei entstandenen Schäden haftet der Absender.

Was zur betriebssicheren Verladung gehört

Der Frachtführer hat für die betriebssichere Verladung Sorge zu tragen: Das bedeutet, die Betriebssicherheit des Fahrzeugs darf nicht beeinträchtigt sein. Es muss für Verkehrssituationen jeglicher Art gewappnet sein. Damit es nicht zu Schäden oder Unfällen kommt, müssen alle notwendigen Fahrzeugfunktionen jederzeit einsatzbereit sein.

Eine ordnungsgemäße betriebssichere Verladung beinhaltet:

  • die Wahl eines geeigneten Fahrzeugs für den Gütertransport
  • eine genaue Überprüfung des Transportguts vor der Abfahrt
  • Kontrollen während der Fahrt und das Durchführen von Maßnahmen zur  Ladungssicherung, falls erforderlich (zum Beispiel Nachspannen der Zurrmittel)
  • die Einhaltung der Achslast, Gewicht- und Abmessungen
  • regelmäßige Fahrzeugkontrolle
  • Wartungen und Reparaturen am Fahrzeug in regelmäßigen Abständen

Mehr Rechts- und Verkehrssicherheit: Mit klaren Absprachen und genauer Dokumentation

Konkrete Absprachen zur beförderungssicheren Verladung zwischen Fahrzeugführer und Verlader schaffen mehr Klarheit und Rechtssicherheit. Übernimmt der Fahrer unaufgefordert und ohne Wissen des Absenders die Verladung, geht die Haftung auf den Frachtführer über.

Folglich muss er bei der Fahrzeugkontrolle oder Unfällen mit strafrechtlichen Konsequenzen rechnen. Neben Geldbußen können auch Strafpunkte die Konsequenz mangelhafter Ladungssicherung sein.

Umso wichtiger ist, dass Verlader und Fahrzeugführer sich absprechen, um sich besser vor rechtlichen Folgen zu schützen. Werden klare Absprachen getroffen – zum Beispiel in Bezug auf die geeignete Verpackung und die Wahl entsprechender Hilfsmittel zur Ladungssicherung – schafft das außerdem beste Voraussetzungen für eine unfallfreie und sichere Fahrt.

In jedem Fall sollten Verlader und Fahrzeugführer nicht auf eine genaue Dokumentation der Maßnahmen zur Ladungssicherung verzichten. Anhand von Fotos und anderen Beweismitteln kann im Streitfall überprüft werden, in welchem Zustand das Transportfahrzeug die Ladestelle verlassen hat. 

Eine gründliche Dokumentation ist vor allem dann hilfreich, wenn während der Fahrt noch weitere Ladung hinzukommt oder Teile der Ladung entladen werden müssen.

FAQ

Wann liegt eine beförderungssichere Verladung vor?

Die Ladung muss so verstaut werden, dass sie optimal beim Transport geschützt ist: Sie darf nicht umfallen, hin- und herrollen, sich verschieben oder gar aus dem Fahrzeug fallen. Für die beförderungssichere Verladung sollten entsprechende Hilfsmittel zum Einsatz kommen – wie Spannstangen- und Gurte, Netze und Antirutschmatten. 

Wann ist für eine betriebssichere Verladung gesorgt?

Für eine betriebssichere Verladung ist dann gesorgt, wenn die Betriebssicherheit des Fahrzeugs sichergestellt ist. Das Transportgut darf während der Fahrt nicht verrutschen. Wichtig ist auch, zulässige Achslasten und die Gesamthöhe nicht zu überschreiten.

Welche Rolle hat der Verlader bei der Ladungssicherung?

An der Ladungssicherung sind verschiedene Akteure beteiligt. Auf Auftrag des Absenders transportiert der Frachtführer Transportgut gegen Entgelt an einen Dritten. Der Absender beauftragt den Verlader dann damit, die Ladung in das Transportfahrzeug zu verstauen. 

Wer trägt die Verantwortung für die beförderungssichere Verladung?

Gemäß § 412 Abs. 1 HGB ist der Verlader beziehungsweise der Absender für die beförderungssichere Verladung verantwortlich. Die betriebssichere Verladung liegt in der Verantwortlichkeit des Fahrzeugführers.

Der Fahrer kommt jedoch nicht darum herum, die Ladungssicherung vor der Abfahrt genau zu kontrollieren. Fallen ihm dabei Mängel auf, muss er den Absender darauf hinweisen. 

Wie unterscheiden sich beförderungssichere und betriebssichere Verladung?

Bei der betriebssicheren Verladung liegt das Augenmerk darauf, dass die Betriebssicherheit des Fahrzeugs erfüllt ist. Ziel der beförderungssicheren Verladung ist, das Transportgut so zu verladen, dass es sich während der Fahrt nicht verschiebt und vor Gefahren aller Art geschützt ist.

Wo finde ich die Vorschriften zur Ladungssicherung und zur beförderungssicheren Verladung?

Die Ladungssicherung ist in § 22 und § 23 der StVO (Straßenverkehrsordnung) geregelt. Diese besagt, dass die Ladung so verstaut und gesichert werden muss, dass sie auch bei heiklen Fahrmanövern nicht verrutscht oder gar vom Transportfahrzeug fällt.

Wer für die beförderungssichere Verladung verantwortlich ist, ist in § 412 HGB (Handelsgesetzbuch) geregelt: Laut HGB liegt die Verantwortung für die beförderungssichere Verladung beim Absender.

Welche Arten von Ladungssicherung gibt es?

Die 3 Hauptmöglichkeiten zur Ladungssicherung sind: formschlüssige, kraftschlüssige und kombinierte Ladungssicherung. Bei der Ladungssicherung durch Formschluss wird das Transportgut so verstaut, dass möglichst viel Platz genutzt wird und keine Lücken entstehen.

Bei der kraftschlüssigen Ladungssicherung wird die Ladung mittels geeigneter Zurrmittel auf der Ladefläche fixiert. Die kombinierte Ladungssicherung vereint Elemente der kraft- und der formschlüssigen Ladungssicherung.

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